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Nordeuropa: Schweden

Riksbank wagt Wende

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Die Konjunktur in Schweden überzeugte 2018 mit soliden Wachstumsraten, die sich fortsetzen werden. In Anbetracht der Preisentwicklung scheint die Zeit nun reif für Zinserhöhungen, denn seit August liegt die Inflation oberhalb des Notenbankziels von 2%. Sie dürfte 2019 mit 2,2% leicht höher ausfallen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Notenbank in den kommenden Monaten eine erste Zinserhöhung vornehmen und sich von dem rekordniedrigen Leitzins von – 0,5% verabschieden. Die schwedische Zinspolitik berücksichtigt neben den Verbraucherpreisen auch die Entwicklung am Immobilienmarkt sowie den Außenwert der Krone. Daher werden Zinserhöhungen mit großer Vorsicht vor­genommen, um eine stärkere Abkühlung des Häusermarktes sowie eine übermäßige Währungsaufwertung zu vermeiden. Positives Terrain dürften die Leitzinsen somit frühestens 2020 erreichen.

Immobilienpreise im Fokus

Der Wohlstand der Haushalte ist stark durch ihr Immobilien­vermögen geprägt. Der Immobilienboom der vergangenen Jahre führte zu einer hohen Verschuldung der Haushalte von 163% des verfügbaren Einkommens. Angesichts dessen wurden Anfang 2018 strengere Vorschriften bei Immobilien­finanzierungen erlassen, was zu sinkenden Häuserpreisen beigetragen hat. Diese sind seit Jahresbeginn um 1,4% gefallen, in den Großstädten betragen die Preisrückgänge sogar 6%. Auch die Neubauaktivitäten haben sich in den letzten Quartalen abgeschwächt und werden im kommenden Jahr dazu führen, dass der Bausektor nochmals einen negativen Wachstumsbeitrag liefert. Die Wohnimmobilienpreise dürften sich derweil aufgrund des weiterhin niedrigen Zinsniveaus und des guten Arbeitsmarktes stabilisieren. Insofern ist auch die Konsumperspektive nach einer vor­übergehenden Schwäche im Jahr 2019 solide.

In der Industrie ist die Stimmung gut. Die Produktion wird im nächsten Jahr um ca. 4% zunehmen. Mit Wachstums­impulsen rechnen wir auch von fiskalpolitischer Seite. Seit den Parlamentswahlen im Herbst 2018 gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig. Die beiden großen Blöcke aus Liberal-Konservativen und Sozialdemokraten erreichen keine Mehrheit, sodass sie auf die als rechtspopulistisch geltenden Schwedendemokraten angewiesen sind.

Zitat

Die Regierungsbildung könnte zu höheren Staatsausgaben führen.

Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Sollten die Schweden­demokraten an der nächsten Regierung ­beteiligt sein, könnte der Staatskonsum um bis zu 2% steigen und damit das Wachstum stützen. Per ­saldo dürfte das Wirtschaftswachstum 2019 mit 2,4% trotzdem etwas unter dem Vorjahresergebnis liegen.

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