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Der hohe spanische Wachstumsvorsprung zur Eurozone in den vergangenen Jahren dürfte sich bis 2020 auf wenige Zehntel zurückbilden. Um den Aufholprozess bei den Einkommen fortzusetzen, wären Strukturmaßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit angesagt, die allerdings auch 2019 nicht zu erwarten sind.

Spanien musste im letzten Jahrzehnt – ähnlich wie andere Länder im Süden Europas – gleich zwei Rezessionen über­stehen. Obwohl die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie die europäische Staats­schuldenkrise zu erheblichen Verwerfungen führten, ist bereits 2017 das Vorkrisenniveau von Anfang 2008 überschritten worden.

Trotzdem ist das Land im Vergleich zur gesamten Euro­zone ärmer geworden. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf beträgt 2018 etwa 77% des Durchschnitts im gemeinsamen Währungsraum, während es 2007 noch gut 84% waren. Es bleibt also noch eine Lücke, die zunehmend langsamer geschlossen wird. Nach drei Jahren mit Raten von 3% und mehr wächst Spanien 2018 nur noch um 2,5%. 2019 dürften es 2,3% sein.

Fiskalpolitik im Fokus

In diesem Umfeld will die spanische Regierung ihre Haushaltspolitik etwas lockern. Trotzdem dürfte 2018 mit einem Budgetdefizit von 2,7% des BIP zum ersten Mal seit zehn Jahren der Maastricht-Grenzwert von 3% unterschritten werden. Ob 2019 die avisierten 1,8% erreicht werden, ist fraglich. Um eine Mehrheit für den Haushalt zu erreichen, musste die sozialistische Minderheitsregierung der linken Podemos entgegenkommen und die Ausgaben in einigen Bereichen erhöhen.

Beschäftigung steigt

Die spanische Beschäftigung ist zuletzt mit Raten um 2,5% gestiegen. 2019 ist hier nur eine moderate Abschwächung zu erwarten. Die Lohnerhöhungen dürften mit rund 2% etwas stärker ausfallen als die Inflationsrate. Positiv für die Haushaltseinkommen ist, dass die Altersbezüge an den Preisindex gekoppelt und niedrige Renten erhöht werden sollen. Die Sparquote dürfte sich nach dem jüngsten Rück­gang stabilisieren. Damit wird der Konsum 2019 in etwa so stark zulegen wie das Bruttoinlandsprodukt.

Binnennachfrage gibt Impulse

Weiter dynamisch expandieren sollten die Ausrüstungen und die Bautätigkeit. Positiv wirkt sich die zusätzliche Förderung des sozialen Wohnungsbaus aus. 2018 sind die Exportzuwächse zurückgegangen, während die Einfuhren aufgrund der starken Binnennachfrage deutlich stärker gestiegen sind. Damit war der Wachstumsbeitrag des Außen­handels negativ. Da sich die europäische Konjunktur erst im Verlauf von 2019 bessern dürfte, ist im Gesamtjahr mit keinem positiven Wachstumsbeitrag des Außenhandels zu rechnen. Auch der Boom im für Spanien wichtigen Tourismus ist fürs Erste vorbei. Mittlerweile sind konkurrierende Ziele wie die Türkei oder Ägypten verhältnismäßig günstiger geworden. 2018 dürfte die Zahl der nach Spanien reisenden Ausländer auf knapp 82 Mio. leicht gesunken sein.

Zitat

Das überdurchschnittliche ­Wirtschaftswachstum ist auch in ­Spanien kein Selbstläufer.

Um weiterhin überdurchschnittlich zu expandieren und damit mittelfristig das Einkommensniveau der Eurozone zu erreichen, müsste Spanien seine strukturellen Schwächen konsequenter bekämpfen. Neben Reformen am Arbeitsmarkt sind Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Verbesserung des Bildungswesens vordringlich. Trotz des hohen Wirtschaftswachstums sinkt die öffentliche Verschuldung von aktuell immer noch 98% des BIP kaum.

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