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Frankreich

Fitnesstrainer Macron braucht mehr Zeit

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Die Reformen von Präsident Macron sind wichtig, da sie die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen. Schnelle Wachstumserfolge sollten allerdings nicht erwartet werden. 2019 wächst das Land fast im Durchschnitt der Eurozone.

Mit der Wahl von Emmanuel Macron zum Präsidenten im Frühjahr 2017 waren die Hoffnungen groß, dass sich das Wirtschaftswachstum rasch beleben würde. Nach immerhin 2,3% steigt das Bruttoinlandsprodukt 2018 nur noch um 1,6%. Eine gewisse Enttäuschung ist mittlerweile im Land spürbar. Geduld ist aber angesagt, denn die Strukturreformen wirken mit Zeitverzug. Dies gilt nicht nur für die durch­geführten Änderungen des Arbeitsrechts, die die Flexibilität und Effizienz in den Unternehmen erhöhen. Auch die Steuersenkungen auf Kapitalerträge, die schrittweise Absenkung der Körperschaftsteuer auf 25% sowie die Beschränkung der Vermögensteuer auf größere Immo­bilienvermögen dürften sich allmählich in zusätzlichen Investitionen niederschlagen. Die Erhöhung der Sozial­steuer CSG bei gleichzeitiger Senkung der Sozialabgaben verringert die Arbeitskosten und wird sich mittelfristig ­positiv auf die Beschäftigung auswirken.

Eine große Herausforderung für die Regierung ist die Stärkung der Industrie. Seit 2009 ist die Produktion des Sektors nur um gut 12% gestiegen, während die deutsche ein Plus von mehr als 35% aufweist. Die vorhandenen Strukturschwächen lassen sich nur allmählich beheben. So hat Frankreich keine mit Deutschland vergleichbaren wettbewerbsstarken industriellen Cluster. Nach wie vor haben die Unternehmen zu wenige hochwertige, innovative Produkte im Angebot und der Mittelstand ist traditionell exportschwach. Immerhin konnte der Lohnkostenanstieg begrenzt werden. Positiv sind auch die Reformen der beruflichen Bildung zu werten.

Zitat

Die Schwäche der französischen Industrie zieht den Außenhandel in Mitleidenschaft.

2019 dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 1,5% annähernd so stark steigen wie in der Eurozone. Die privaten Konsum­ausgaben haben 2018 das Wirtschaftswachstum gebremst. Die Erhöhung der Sozialsteuer dämpfte im ersten Halbjahr den Zuwachs der Nettoeinkommen, während die Entlastung durch die Sozialbeiträge erst in der zweiten Jahreshälfte in Kraft trat. Dies sollte sich neben der steigenden Beschäftigung 2019 positiv auf die privaten Verbrauchsausgaben auswirken. Die Tariflohnsteigerungen haben zuletzt weiter zugenommen. Von der Preisentwicklung ist allerdings mit keiner Entlastung zu rechnen. Die Inflation wird 2019 bei rund 2% liegen. Trotz der nur zögerlich sinkenden Arbeits­losigkeit dürfte der Privat­konsum durchschnittlich zulegen.

Französischer Staat ausgabenfreundlicher

In Frankreich steigt das staatliche Defizit 2019 wieder. Nach den Planungen der Regierung wird ein Wert von 2,8% des Bruttoinlandsprodukts zugrunde gelegt, nach 2,6% im Vorjahr. Neben dem schwächeren Wachstum sind Sondereffekte wie die Übernahme der Verschuldung der Staatsbahn SNCF ein Grund hierfür. Die Sanierung der öffent­lichen Finanzen kommt nur zögerlich in Gang. Geplant ist ein moderater Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst über mehrere Jahre. Zudem gibt es Überlegungen, einige Sozialleistungen nicht mehr automatisch mit der Inflationsrate steigen zu lassen.

Das französische Geschäftsklima hat sich zuletzt eingetrübt. Die Ausrüstungsinvestitionen sind 2018 nur noch um schätzungsweise gut 3% gestiegen. Zwar dürften diese auch 2019 einen positiven Wachstumsbeitrag liefern; da sich eine konjunkturelle Erholung allerdings erst allmählich einstellt, wird der Anstieg der Kapitalbildung kaum höher ausfallen als im Vorjahr. Nur moderate Impulse kommen weiterhin von den Bauaktivitäten, während der Außen­handel 2019 einen leicht negativen Wachstumsbeitrag erbringen dürfte.

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