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Die Wachstumsverlangsamung in der Eurozone dürfte im Verlauf von 2019 auslaufen. Ab dem zweiten Halbjahr kann wieder mit höheren Raten gerechnet werden. Mit sich bessernden Arbeitsmärkten werden die Tariflöhne stärker steigen.

Trotz der einheitlichen Währung bleibt die Wirtschaftspolitik in der Eurozone heterogen. Ländern wie Frankreich und in Ansätzen auch Österreich, die mit Reformen ihre Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig erhöhen wollen, steht Italien gegenüber, das sich diesen verweigert. Stattdessen sollen dort die Ausgaben bei einer bereits hohen Verschuldung deutlich gesteigert werden. Auch wenn Italien im Ausmaß ein Einzelfall bleibt, wird die Fiskalpolitik in mehreren Ländern lockerer: Deutschland stimuliert den Konsum und Frankreich sowie Spanien dürften geplante Defizitziele nicht mehr einhalten.

2019 verlieren die Wachstumsdisparitäten an Bedeutung. Deutschland und Frankreich expandieren 2019 mit 1,5% annähernd so schnell wie der Durchschnitt der Euro­zone (1,6%). Die lange Zeit außergewöhnlich hohe Dynamik Spaniens verringert sich weiter. Italien dürfte sich aufgrund der stimulierenden Maßnahmen ebenfalls dem Mittelwert der Eurozone nähern. Der gesamte ­Währungsraum erhält 2019 Impulse von den Konsumaus­gaben und den Investitionen, während der Außenhandel einen leicht negativen Wachstumsbeitrag liefern dürfte.

Die Inflationsrate erreicht 2018 etwa 1,8%. Höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise haben hierzu maß­geblich beigetragen. Die Kernrate verharrt hingegen bei 1%. In einigen Mitgliedsländern wie den baltischen und zentraleuropäischen Staaten steigen die Arbeitskosten kräftig. Auch in den großen Flächenstaaten dürften die ­Tarifsteigerungen mit sich bessernden Arbeitsmärkten zunehmen. 2019 sollte die Kernrate in der Eurozone ­etwas höher ausfallen und die Inflationsrate leicht auf 1,9% steigen. Entlastungen gehen im Jahresverlauf von den Energie- und Nahrungsmittelpreisen aus.

Bereits jetzt steigt die erwerbstätige Bevölkerung in der Eurozone nicht mehr. In den nächsten Jahren werden sich die Babyboomer zunehmend in den Ruhestand verabschieden. Dadurch verringert sich das Wachstumspotenzial. Die europäische Wirtschaftspolitik reagiert hierauf aber nicht. Ganz im Gegenteil: Italien will die Rentenreform zurück­nehmen. Deutschland hat die „Rente mit 63“ eingeführt. In vielen europäischen Staaten ist die öffentliche Infrastruktur in die Jahre gekommen. Auch das wird vernach­lässigt. Priorität sollte darüber hinaus die Anhebung der Produktivität haben, die in den vergangenen Jahren nicht ausreichend zugenommen hat. Es gilt, Defizite in der (beruflichen) Bildung und in der digitalen Infrastruktur zu beseitigen. Die geplante steuerliche Förderung mittel­ständischer Innovationen in Deutschland ist zu begrüßen.

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