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Schlagzeilen wie „Globalisierung im Rückwärtsgang“ oder „Ende des Freihandels“ zeigen es: 2018 war kein gutes Jahr für den Welthandel und die internationale Arbeitsteilung. Ab dem Frühjahr blies der US-Präsident auf breiter Front zum Angriff auf den freien Warenhandel. Folgt 2019 eine Waffenruhe oder gibt es sogar Friedensverhandlungen?

US-Präsident Trumps erklärte Ziele sind, die Handelspartner – vor allem China – zu bewegen, ihr „unfaires Verhalten“ zu verändern, das Defizit der USA im Warenhandel zu reduzieren und neue Jobs im Verarbeitenden Gewerbe zu schaffen. Zumindest wenn es darum geht, die anderen Regierungen zu bilateralen Verhandlungen zu zwingen, hat Donald Trump bereits erste Erfolge vorzuweisen. Die besonders vom US-Markt abhän­gigen oder militärisch auf die Schutzmacht USA angewiesenen Handelspartner Mexiko, Kanada, Süd­korea und auch Japan sind schon eingeknickt. Sie haben seinen Forderungen in großem Umfang nachgegeben. Die „neue NAFTA“ stellt jedoch in fast jeder Dimension eine Verschlechterung gegenüber der bisherigen Nordamerikanischen Freihandels­zone dar – mittelfristig schwächt sie auch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie. Aber Trump wertet sie als Erfolg seiner „America First“-Strategie.

Welthandel schwächt sich ab

Da der Handelsstreit seit Monaten nicht aus den Schlag­zeilen verschwindet, überrascht es nicht, dass viele Pessimisten im sich verlangsamenden Wachstum des globalen Handels bereits den Protektionismus am Werk sehen. Ohne die negativen Auswirkungen der Handelsstreitig­keiten kleinreden zu wollen: Aus unserer Sicht ist eine andere Erklärung wahrscheinlicher. Nachdem der Globa­lisierungsschub der 1990er und 2000er Jahre ausgelaufen ist, hat sich der Trend des Handelswachstums grundsätzlich verflacht – nur noch auf die Hälfte der gut 7% pro Jahr in der Phase vor 2008. In den Jahren 2015 / 2016 verzeichnete der Warenhandel eine zyklische Schwäche, auf die 2017 eine Erholung folgte. Diese wiederum lief 2018 aus. Hoffnungen, der Welthandel könne nun an die guten Jahre vor der Krise anknüpfen, haben sich also nicht bestätigt. Bislang dürften die Handelsstreitigkeiten jedoch bestenfalls einen kleinen dämpfenden Effekt auf die weltweiten Handelsströme gehabt haben.

So weit, so gut …

Ob dies 2019 so bleibt, ist nicht gesagt. Donald Trump hat Ende September Strafzölle in Höhe von 10% auf chinesische Waren eingeführt, die 2017 ein Importvolumen von knapp 200 Mrd. US-Dollar ausmachten. Damit verschaffte er den zusätzlichen Handelshemmnissen die kritische Masse, ab der nicht nur einzelne Unternehmen und Branchen belastet werden, sondern die Gesamtwirtschaft spürbar in Mit­leidenschaft gezogen wird. Per 1. Januar 2019 sollen diese Strafzölle zudem auf 25% erhöht werden, wenn bis dahin keine Lösung im Streit mit China gefunden ist. Donald Trump hat weiterhin davon gesprochen, auch noch die verbliebenen Warenimporte aus China mit Zöllen zu belegen, wenn die andere Seite in den Verhandlungen nicht einlenken oder ihre Währung spürbar abwerten sollte.

Am Handelsbilanzdefizit der USA dürfte sich trotz der Zölle zunächst nicht viel verändern. Eine weitere Eskalation des Konfliktes mit Peking ist daher eine ernstzunehmende Gefahr, zumal sich in die handelspolitische Auseinandersetzung auch generelle geostrategische Aspekte mischen: Chinas Bereitschaft zu Kompromissen wird umso geringer sein, je mehr die Regierung dort den Eindruck gewinnt, dass es der US-Seite vor allem darum geht, den „Aufstieg Chinas“ zu behindern.

Zitat

Trade wars are good and easy to win.

Donald Trump

Offen ist nach wie vor, wie sich der schwelende Konflikt zwischen den USA und der EU entwickelt. Solange verhandelt wird, sind die von Trump angedrohten Autozölle ausgesetzt. Allerdings geben Äußerungen von Vertretern beider Seiten wenig Hoffnung auf baldige Fortschritte. US-Strafzölle auf Pkws und eine entsprechende Antwort der EU sind nicht Teil unseres Hauptszenarios, bleiben aber ein Risiko.

Protektionismus schlägt zu

Seit den 1930er Jahren gab es keine vergleichbare globale Tendenz zu höheren Handelshemmnissen – Zölle und andere Hindernisse wurden vor allem nach 1945 immer weiter abgebaut. Ökonomische Modelle, die auf den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte beruhen, sind wenig geeignet, die Wirkung einer Protektionismusspirale auf die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts abzubilden.

Unter Ökonomen, die nicht für die US-Regierung arbeiten, besteht aber Einigkeit vor allem darin, dass die Wirkung per saldo negativ sein wird. Geschwindigkeit und Ausmaß des Effektes hängen nicht zuletzt von der resultierenden Belastung der globalen Wirtschaftsstimmung ab. Hier ist zumindest bislang kein Einbruch zu verzeichnen.

Bleiben die Maßnahmen im Rahmen dessen, was derzeit schon in Kraft ist, dürften die Probleme für die Weltkonjunktur 2019 überschaubar sein. Das weltweite Wachstum wird das Tempo des Vorjahres wohl nicht ganz halten, die WTO erwartet beim Warenhandel nur ein etwas kleineres Plus als 2018. Der Protektionismus wirkt aber als schleichendes Gift, das mittel- bis langfristig das Trendwachstum der Weltwirtschaft drücken wird.

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