#News

21. Nov 2016

Konjunktur- und Kapitalmarktausblick 2017

„Die Welt fährt Autoscooter“

  • Weltwirtschaft wächst etwas stärker als im Vorjahr
  • Inflationsangst belastet Renten
  • Wahlen bewegen Märkte
  • DAX wieder über 12.000 Punkte

Im kommenden Jahr wird die Weltwirtschaft um rund 3 Prozent zulegen, im Euroraum und in Deutschland um jeweils rund 1,5 Prozent. „Sowohl die USA als auch der Euroraum wachsen über Potenzial,“ erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba. „Getragen wird die gesamtwirtschaftliche Expansion vor allem vom privaten Konsum. Die Investitionen entwickeln sich weiterhin verhalten. Das Wachstum ist zwar insgesamt wenig dynamisch, dafür aber stabil,“ so Traud weiter.

Der Konjunktur- und Kapitalmarktausblick der Helaba-Volkswirte läuft in diesem Jahr unter dem Motto Jahrmarkt und trägt den Titel „Die Welt fährt Autoscooter“. Fester Bestandteil eines Jahrmarktes ist der Autoscooter. Schubsen, Drängeln und verbale Entgleisungen gehören dazu. Ansonsten kommt es üblicherweise zu keinen größeren Unfällen. Hier sehen die Helaba-Volkswirte Parallelen zu ihrem diesjährigen Hauptszenario, dem sie eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent beimessen.

Wirtschaftswachstum 

Die Weltwirtschaft fährt mit einer überschaubaren Geschwindigkeit durch das Jahr 2017. „Natürlich sind mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gewisse Unwägbarkeiten verbunden. Nichtsdestotrotz nehmen die USA nach unserer Einschätzung wieder mehr Fahrt auf, die Eurozone bewegt sich couragiert fort und selbst die rohstoffexportierenden Schwellenländer legen wieder den Vorwärtsgang ein,“ so Traud. Politische Ereignisse werden für Schwankungen an den Kapitalmärkten sorgen. Die Weltwirtschaft lässt sich dadurch aber nicht aus der Spur bringen.

Inflation und Geldpolitik

Der Ölpreis hat im Frühjahr 2016 seinen Tiefpunkt gesehen und wird im Jahresverlauf 2017 zu höheren Inflationsraten von bis zu 1 ½ Prozent in der Eurozone und 2 ½ Prozent in den USA führen. Dies könnte manchen Marktteilnehmer erschrecken. Entsprechend wird die Volatilität an den Rentenmärkten hoch sein. Die Rendite 10-jähriger Bunds wird sich nachhaltig aus dem Negativbereich verabschieden und in einer Spanne zwischen 0 Prozent und 1 Prozent bewegen.

Die US-Notenbank fährt in sehr ruhigen Bahnen und versucht sicherzustellen, dass es zu keinen Zusammenstößen kommt. Sie zieht die Leitzinsen nur so hoch, dass die Finanzmärkte nicht beeinträchtigt werden. Die EZB wird hingegen 2017 ihren Fahrstil mit Lenkmanövern aus Anleihekäufen und negativen Einlagenzinsen beibehalten.

Asset Allokation

Wie sollte sich der Anleger in diesem Umfeld positionieren? Traditionell sichere Assetklassen wie Staatsanleihen bieten keine nennenswerte Rendite. Unter den Anlageklassikern sind Aktien derzeit am attraktivsten bewertet. Die Risikoprämie, also der erwartete Ertrag über dem risikolosen Zins, ist dort anders als bei vielen Anlagealternativen noch überdurchschnittlich hoch. Der DAX kann die 12.000er Marke zurückerobern. Zusammen mit Immobilien sollten Aktien in einem ausgewogenen Portfolio überdurchschnittlich dotiert werden.

Negatives Alternativszenario (15 Prozent)

Im negativen Alternativszenario „Geisterbahn“, dem die Helaba-Volkswirte eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 15 Prozent beimessen, steht die Weltwirtschaft an der Schwelle zur Rezession. Schreckgespenster tauchen an allen Ecken und Enden auf. Politische Richtungswechsel in wichtigen Volkswirtschaften führen zu einer massiven Einschränkung des Freihandels. Bei vielen Wahlen setzen sich europafeindliche Parteien durch. Der Fortbestand der Eurozone wird in Frage gestellt. Gold und US-Dollar werden in Zeiten hoher Unsicherheit ihrem Ruf als Krisenwährungen gerecht. Der DAX stürzt in Richtung der 6.000-Punkte-Marke ab.

Positives Alternativszenario (10 Prozent)

Im positiven Alternativszenario „Riesenrad“ mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 10 Prozent nimmt das globale Wachstum kontinuierlich Fahrt auf. Ein selbsttragender Aufschwung durch Industrie 4.0, Digitalisierung bei Dienstleistungen sowie Weiterentwicklung und Verbreitung neuer Technologien setzt ein. Der Euroraum kann sein Wachstum auf mindestens 2,5 Prozent steigern, wobei Deutschland mit rund 3 Prozent wieder als Konjunkturlokomotive fungiert. Aktien und Euro profitieren vom Drehmoment. Der DAX knackt die 14.000er Marke.

Mike Peter Schweitzer
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
Ursula-Brita Krück
Stv. Pressesprecherin
Um unsere Website fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie unter Datenschutz