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17. Jun 2015

Helaba-Studie: Thüringen - Faktor Zeit nutzen

Mit 1,6 Prozent wuchs die Thüringer Wirtschaft im vergangenen Jahr genauso stark wie im Bundesdurchschnitt.

  • Wirtschaftswachstum in Thüringen setzt sich 2015 fort
  • Wanderungssaldo: Es kommen mehr Menschen nach Thüringen als gehen
  • Integration als Investition in die Zukunft
Mit 1,6 Prozent wuchs die Thüringer Wirtschaft im vergangenen Jahr genauso stark wie im Bundesdurchschnitt. „Auch das erste Quartal 2015 war vielversprechend. Der Industrieumsatz in Thüringen stieg deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt und die Auftragseingänge erholten sich ebenfalls“, erläutert Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, bei der Präsentation der Studie in Erfurt. Die Dienstleistungsbereiche lieferten in Thüringen 2014 mit einem Plus von 1,5 Prozent eine etwa gleich hohe Wachstumsrate wie in Deutschland insgesamt. Da in Thüringen auf ein „starkes Dienstleistungsjahr“ häufig ein schwächeres folgt, erwarten die Helaba-Volkswirte für das laufende Jahr, dass sich das Bruttoinlandsprodukt verhaltener entwickeln wird als im Vorjahr. „Das Wirtschaftswachstum wird 2015 in Thüringen mit etwa 1,5 Prozent etwas schwächer ausfallen als bundesweit mit 1,8 Prozent“, prognostiziert Traud.

In den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung hat sich nahezu alles verändert und das Land musste viele Herausforderungen meistern. Wie stark der Faktor Zeit wirkte und wie er genutzt wurde, ist in Thüringen besonders spürbar. Zunächst mussten sich die Unternehmen dem nationalen und internationalen Wettbewerb stellen. Dabei bewährte sich die Qualität der Thüringer Produkte. Manches Unternehmen schaffte sogar den Sprung zum Weltmarktführer. Insgesamt erhöhte sich der wirtschaftliche Output der Thüringer Industrie enorm: Die Bruttowertschöpfung pro Einwohner ist seit 1991 um mehr als 50 Prozentpunkte gestiegen und liegt inzwischen bei über 70 Prozent des deutschen Durchschnitts. Eine derartige Aufholjagd hat kein anderer Wirtschaftszweig hingelegt.

Dies ist umso beachtlicher, als die Bevölkerung in diesem Zeitraum stark zurückging. Viele Menschen entschieden sich, die Chancen auf eine schnelle Verbesserung ihres Wohlstands im anderen Teil Deutschlands zu suchen und verließen Thüringen. Inzwischen hat sich der Wanderungssaldo wieder umgekehrt: Es kommen mehr Menschen nach Thüringen als gehen. Dies beruht zu einem kleinen Teil darauf, dass die Fortzüge in andere Bundesländer abnehmen. Die Hauptursache ist aber der Zuzug aus dem Ausland.

Hier wartet schon die nächste Aufgabe: Die erfolgreiche Integration der Neuankömmlinge erfordert Sprach- und Bildungsprogramme des Landes und der Unternehmen. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, sich offen für Neues zu zeigen, zumal der Anteil der Ausländer an den Thüringer Einwohnern unter 2 Prozent liegt (alte Bundesländer 9 Prozent). Damit sind die Verhältnisse z.B. für den schnellen Spracherwerb ideal. „Je beherzter hier alle Beteiligten agieren, desto eher gewinnt das Land motivierte Neubürger. Sie können das Arbeitskräftepotenzial verjüngen, wenn sie den Standort Thüringen als attraktiv erleben und bleiben“, erläutert Traud. Denn dass die Thüringer Arbeitnehmerschaft schon jetzt „reifer“ ist, zeigt die Statistik unmissverständlich.

Wichtig ist aber auch, dass investiert wird. Im Jahr 25 nach der Wiedervereinigung sind manche Hightech-Produktionsanlagen in die Jahre gekommen. Hier sind Investitionen in den Standort gefragt. Die Thüringer Industrie hat dies erkannt: Nachdem der Anteil der Industriebetriebe, die investieren, zwischenzeitlich auf 80 Prozent gesunken war, verbesserte sich der Wert wieder auf 83 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2013. Fast 90 Prozent der Thüringer Industrieinvestitionen floss in Maschinen und Betriebsausstattung. Darin unterscheidet sich Thüringen nicht vom Bundesdurchschnitt. Bezüglich der Investitionen pro Beschäftigten erreichen die Thüringer Industriebetriebe aufgrund ihrer mittelständischen Struktur nicht ganz den Bundeswert. Gemessen am Umsatz zeigen sich die Industrieunternehmen in Thüringen aber investitionsfreudiger als der gesamtdeutsche Durchschnitt.

„Auch das erste Quartal 2015 war vielversprechend. Der Industrieumsatz in Thüringen stieg deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt und die Auftragseingänge erholten sich ebenfalls"

Dr. Gertrud R. Traud
Chefvolkswirtin der Helaba

Die komplette Studie finden Sie als Download hier:


Mike Peter Schweitzer
Leiter Kommunikation und Pressesprecher
Ursula-Brita Krück
Stv. Pressesprecherin
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